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60 Jahre nach dem Kriegsende

So berichtete die “Dithmarscher Landeszeitung” über einen Gottesdienst anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai 2005 in der St. Laurentiuskirche in Lunden:

„Erst als Vater in der Tür stand, war
der Krieg für mich vorbei“
Erinnerungen zum Kriegsende von Lothar Dufke und Helga Carl

Von Britta HamannGottesdienst_8Mai05~2

Lunden –  Der 8. Mai 1945 – ein Tag, zwei Kinder, zwei Schicksale. Lothar Dufke und Helga Carl waren in die Lundener St.-Laurentius-Kirche gekommen, um zu berichten, was dieser Tag, an dem der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende ging, für sie bedeutete.
   Gemeinsam hatten Kirchengemeinde und der Sozialverband Lunden zu einem Gottesdienst des Gedenkens und der Bitte um Frieden eingeladen.
   „Ich habe an diesen Tag eigentlich keine wirklichen Erinnerungen“, sagt Lothar Dufke, der 1945 zehn Jahre alt war. Mit Mutter und Schwester befand er sich auf der Flucht vor den Russen aus Kumehnen im Samland in Richtung Westen. Anfang Mai war seine Familie in einem Dorf nahe Schlawe in Pommern einquartiert. Eines Tages kam eine russische Offizierin, strich ihm über den Kopf und sagte: „Für Dich ist der Krieg vorbei, mein Junge. Jetzt Russki, nicht mehr Germanski!“
   Aber bei Lothar Dufke und seiner Familie wollte kein Gefühl der Erleichterung aufkommen. Die Flucht ging weiter „und damit das Gefühl der Rechtlosigkeit, der Zeitlosigkeit, der Dunkelheit, der Kälte und des Hungers“, erzählt Dufke.
   Sehr genaue Erinnerung hat Helga Carl an den 8. Mai: „Ich war auf dem Rückweg von der Leher Schule. Die sonst so ruhige Dorfstraße war voll mit britischen Panzern, Jeeps und bewaffneten Soldaten.“ Die damals Neunjährige hatte schreckliche Angst, „und deshalb bin ich im Straßengraben nach Hause gerannt.“ Dort gab es die nächste Überraschung. Die Familie des benachbarten Bauernhofes wurde im Häuschen von Helga Carls Eltern einquartiert, weil auf dem großen Hof die Briten einzogen. „Mutter, hol schnell den Schinken vom Boden und die Eier aus dem Keller“, rief der Bauer seiner Frau zu. An die britischen Besatzer hat Helga Carl nur gute Erinnerungen. „Die waren nett und freundlich und haben uns Kindern viele Süßigkeiten geschenkt.“
   Weitaus schrecklicher sind die Erinnerungen, die Lothar Dufke an die fremden Soldaten hat. „In einer Flüchtlingsunterkunft schliefen wir mit 20 Personen auf engstem Raum. Eines Nachts kam ein betrunkener russischer Soldat herein, ballerte mit seiner Pistole über unsere Köpfe und wollte sich meine Mutter greifen. Eine alte Frau konnte den Vorgesetzten des Soldaten holen, er stoppte ihn und erklärte uns: ‚Der Mann hat seine ganze Familie durch die Deutschen im Krieg verloren. Wenn er getrunken hat, will er sich rächen.“
   Für den zehnjährigen Lothar war der Krieg erst am Silvesterabend 1945 wirklich vorbei. „Da stand Vater plötzlich in der Tür. Er hatte uns endlich gefunden und nahm uns mit in den Westen.“
   Zwei unterschiedliche Schicksale, eindrucksvoll geschildert von zwei Kriegskindern. Und am Ende dieses Gedenkgottesdienstes stand ein Gebet aller Teilnehmer um Frieden überall auf der Welt.
 

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