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Was war in den zehn Jahren als Kind in Ostpreußen?
Wo sind meine Nachbarskinder geblieben, meine Schulkameraden, meine beiden Opas und die Urgroßmutter in Regehnen? Und die tollen Ferien am Strand in Rauschen! Was war zwischen den letzten Januartagen 1945 bis zum Januar 1946 als ostpreußisches Flüchtlingskind mit Schwester und Mutter in Pommern, unter Russen und Polen, und dann in der Sowjetischen Besatzungszone?
Und dann das Leben in Schleswig-Holstein. Wir hatten nichts, aber wir waren heil aus der Hölle im Osten herausgekommen - schon weit weg im Westen.
Doch das Paradies war das auch nicht.
Meine Wurzeln liegen in Ostpreußen. Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich im Samland verlebt. Meine Eltern Sattler-, Polsterer- und Tapeziermeister Robert Dufke und Eva Dufke geb. Thiel wohnten in dem Dorf Kumehnen - westlich des 110 Meter hohen Galtgarben - direkt neben der alten Ordenskirche.. Geboren wurde ich am 20. Mai 1935 im Krankenhaus Barmherzigkeit in Königsberg. Ein paar Tage später war ich dann in Kumehnen, wurde bald in der evangelischen Kirche getauft und lebte dort bis zur Flucht am 30. Januar 1945. Das Heimatdorf Kumehnen war für mich als Kind von prägendem Einfluss. Aber seit 1938 kam noch eine zweite Variante hinzu: Das Ostseebad Rauschen. Nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg wurde der nördliche Teil Ostpreußens der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) als Kriegsbeute einverleibt und zur strategisch wichtigen Festung des Ostblocks an der hier eisfreien Ostsee ausgebaut. Und dieses Land wurde zur “Verbotenen Zone” in Europa. Das süd liche Ostpreußen (Masuren) wurde 1945 von den siegreichen Alliierten unter polnische Verwaltung gestellt und war schon seit 1970 für uns Deutsche zugänglich. Meine alte Heimat konnte erst nach dem Zerfall des Ostblocks im Jahre 1990 wieder besucht werden. 45 Jahre lang gab es keine Zugangsmöglichkeit. Mit 10 Jahren musste ich als Kind aus Kumehnen flüchten, mit 57 Jahren sah ich das Heimatdorf 1992 mit meiner Ehefrau Ursula erstmals wieder. Das war ein ernüchterndes und bedrückendes Erlebnis. War das noch das Dorf der Kindheit? Nein, das war das ein russisches Dorf, in dem es noch einige Reste aus deutscher Zeit gab.
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